Richtig machen: Wie 2026 wirklich das Jahr der Umsetzung wird

Die Gründung des BMDS war ein deutliches Signal für die Digitalisierungsvorhaben der öffentlichen Verwaltung. Bund und Länder haben im vergangenen Jahr zudem mit dem NOOTS-Staatsvertrag für den bundesweiten Datenaustausch sowie einer umfangreichen föderalen Modernisierungsagenda wichtige Weichen gestellt. Für 2026 stehen alle Zeichen auf Umsetzung. Worauf es jetzt ankommt.

 

Wenn man Ralph Brinkhaus folgt, dem digitalpolitischen Vordenker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sind nur drei Dinge wichtig: Machen, Machen, Machen! Und tatsächlich sehen wir gerade, wie sich mit koordinierter Portfoliosteuerung, verbindlichen Standardisierungen und praxisorientierten Legistikinitiativen eine nächste Ausbaustufe ankündigt. Damit 2026 wirklich das Jahr der Umsetzung wird, braucht es dabei die vereinte Tatkraft vieler Beteiligter – und die müssen gut organisiert sein.

Kooperativ über die Strategy-Execution-Kluft

Digitalisierung mit Entschlossenheit und Zug voranzubringen verstehen wir als zentralen Leistungsanspruch bei IBM iX, und deswegen lieben wir die Energie, die gerade die Debatten der Verwaltungsdigitalisierung antreibt. Als langjähriger Umsetzungspartner im öffentlichen Sektor wissen wir aber auch: Machen ist „dreimal“ leichter gesagt als getan. Um die manchmal schwindelerregend erscheinende Kluft zwischen Strategie und Exekution zu überwinden, müssen wir Verwaltungsdigitalisierung als organisations- und ebenenübergreifende Aufgabe verstehen. Umsetzung gelingt dann, wenn sie über Ressorts, Behörden und föderale Strukturen hinweg gestaltet wird. Das Gebot der Stunde heißt kurz gesagt: Kooperation.

Am Ansatz des Deutschland-Stack wird deutlich, dass der Umsetzungswille mit einem reifen Verständnis für die strukturellen Besonderheiten öffentlicher Digitalisierungsbemühungen hinterlegt ist: Hier wurde nicht einfach blanke Technik-Architektur verordnet, sondern die Entwicklung in integrative Konsultationen und kooperative Governance eingebettet. Damit wird Verwaltungsdigitalisierung als das gesellschaftsrelevante Projekt ernst genommen, das sie ist: Digitalisierung braucht gut integrierte Input- und Validierungsprozesse, damit das Machen adaptiv zu guten Lösungen führt – mit Ergebnissen, die nicht zuletzt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in öffentliche Institutionen stärken.

„Eine innovative, lernfähige und bürgerorientierte Verwaltung stärkt das Vertrauen in staatliche Institutionen und damit indirekt den Glauben an die Demokratie.“

Dominik Multhaupt, Managing Partner Public, IBM iX

Dominik Multhaupt blickt gerade in die Kamera. Seine Hände auf die Hüften gestützt. Er trägt ein dunkelblaues Hemd.

Verwaltungsarbeit steht immer im Spannungsfeld vielfältiger und nicht selten widersprüchlicher Interessen. Das gilt ebenso für ihre Digitalisierung – das Spektrum reicht hier von überstaatlicher Regulatorik bis zur subjektiven Erwartung individueller Nutzerinnen und Nutzer. Machen bedeutet deshalb: aushandeln, priorisieren und evaluieren. Integrierte Vorgehensmodelle, die Steuerung und Partizipation in einem Entwicklungsprozess zusammenbringen, können daher einen entscheidenden Beitrag für erfolgreiche Umsetzungen leisten.

In einem solchen Vorgehen wird die Nutzerzentrierung gestärkt, weil die unterschiedlichen Anforderungsebenen integriert werden, so dass die Umsetzung adaptiv lernend und inkrementell verbessert werden kann. Diese Vorgehensmodelle schaffen ein gemeinsames Verständnis über alle Anforderungsebenen und eine beherrschbare Steuerung der Integration. Operativ bedeutet das, agile und interdisziplinäre Frameworks mit erprobten Methoden – von Scrum und SAFe über OKR bis hin zu Design Thinking – zu nutzen, was auch im öffentlichen Sektor bereits punktuell erfolgreich geschieht.

Digitaldienstleister können hier wesentlich zum Knowhow-Transfer beitragen, wie sich die unmittelbare Nutzerperspektive in den gesellschaftlichen Governance-Rahmen einordnen und die Anforderungsebenen praxisnah verzahnen lassen. Das integrative Vorgehensmodell im Schaubild unten visualisiert prototypisch, wie operative Entwicklung als nutzerzentrierter Prozess in lernende Steuerungsabläufe integriert ist und vor dem gesellschaftlichen Hintergrund abläuft. Integration wird dabei zyklisch erreicht und Machen bedeutet in der inkrementellen Logik vor allem: immer weitermachen und optimieren.

Integriertes Vorgehen

Umsetzung skalieren: Gute Beschaffung denkt 2026 in Vorgehensmodellen

Damit die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung dieses Jahr richtig Fahrt aufnehmen kann, sollten Vorgehensmodelle bereits in der Vergabe und in Ausschreibungen mitgedacht werden. Denn letztendlich setzt die Beschaffung den Rahmen für Umsetzungsqualität und Skalierbarkeit. Wir haben 2025 an verschiedenen Stellen gesehen, dass dieser Hebel der Auftragsvergabe bereits genutzt wird:

  1. Beim Rollout-Ansatz wird auf Landesebene ein Generalunternehmer beauftragt und in „Ende-zu-Ende-Verantwortung“ genommen. Er erprobt ein Vertrags- und Organisationsmodell, dass Umsetzungsleistungen besonders auf der bürgernahen Kommunalebene skaliert. Es wird spannend zu sehen sein, wann 2026 erste Erfolge sichtbar werden und welche Länder dem Vorbild folgen.
  2. Das ITZBund hat in der Ausschreibung rund um das Designsystem DESYBRI ein zyklisches Modell hinterlegt, das als Paradebeispiel für integrierte Entwicklung verstanden werden kann. Statt isolierter Leistungsphasen wurden Design, Entwicklung, Betrieb und Weiterentwicklung im iterativen Produktzyklus zusammengedacht und besonderer Wert auf die klare Definition der Steuerung zwischen Organisation, Technik und Nutzung gelegt. So geht Nutzerzentrierung!
  3. Mit der Rahmenvereinbarung ‚Digital First‘ hat Hamburg eine landesweit gültige Grundlage für ein gemeinsames Qualitätsverständnis in der Verwaltungsdigitalisierung zwischen Auftraggebenden und Auftragnehmenden geschaffen. Wichtige Umsetzungsansprüche wie Barrierefreiheit, Interoperabilität und Wirkungsorientierung wurden damit landesweit durch den expliziten Bezug auf Servicestandard und DIN SPEC 66336 bereits in der Beschaffung sichergestellt.

Diese Beispiele zeigen als Best Practices, wie Umsetzung 2026 in Kooperation mit Digitalisierungspartnern skalierbar gelingen kann.

Beschaffung adressiert nicht nur was geliefert wird, sondern wie Lösungen entstehen.

Das Jahr 2026 wird ganz sicher ein wichtiges Jahr für die Verwaltungsdigitalisierung. Wenn wir die Energie der aktuellen Debatte beibehalten und Schritt für Schritt ins kooperative Handeln bringen, kann der gewünschte Umsetzungsturbo nachhaltig zünden. Wir packen gerne mit an.

 

Autor: Urs Bellermann

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Ein Mann mit langen blonden Haaren lächelt in die Kamera.
Urs Bellermann
Senior UX Consultant, IBM iX
Sara Stechow
Lead New Business & Partnerships Public, IBM iX

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