Gemeinsam besser digitalisieren dank Servicestandard: Wie wir die 13 Qualitätskriterien der DIN SPEC 66336 umsetzen
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Der Servicestandard setzt einen neuen Qualitätsmaßstab für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland – mithilfe der DIN SPEC 66336. Sie konkretisiert erstmals umsetzbare und überprüfbare Qualitätsanforderungen für eine gute digitale Entwicklungspraxis. Damit ist sie ein wichtiger Meilenstein für die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung und wegweisend für nutzerzentrierte, nachhaltige und effiziente Verwaltungsleistungen.
DIN SPEC 66336: Was ist das?
Ganz ohne kryptische Bezeichnungen kommen wir auch in der menschenzentrierten Digitalisierung nicht aus. Doch Inhalt und Ziele der DIN SPEC 66336 sind alles andere als sperrig. Die DIN SPEC 66336 lässt sich als hilfreiches Governance-Werkzeug verstehen: Sie bündelt Qualitätsansprüche zentral und für alle auffindbar. Akteurinnen und Akteure der öffentlichen Verwaltung aus allen Bereichen und Ebenen können sich auf sie beziehen. Anders als das Onlinezugangsgesetz (OZG) ist die DIN SPEC 66336 keine rechtsverbindliche Norm, sondern eine gemeinsame Leitlinie, die allen praktische Orientierung bietet und so die Digitalisierung über Ressortgrenzen und föderale Strukturen hinweg erleichtert.
Die 13 Qualitätskriterien nach Servicestandard:
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- Nutzende verstehen und Bedürfnisse erkennen
- Problem beschreiben und Ziele bestimmen
- Verantwortung übernehmen und Ressourcen sichern
- Lösungen entwickeln, testen, anpassen und Fachwissen einbinden
- Bestehendes wiederverwenden und Neues gemeinsam gestalten
- Barrierefreie Nutzung sicherstellen und Teilhabe stärken
- Offene Standards beachten und Schnittstellen bereitstellen
- Datenschutz umsetzen und Risiken reduzieren
- Sicherheit herstellen und Vertrauen schaffen
- Open Source nutzen und Code teilen
- Verfügbarkeit sichern und Störungen beheben
- Wirkung messen und auf Ergebnissen aufbauen
- Rechtliche Hürden erkennen und Regelungen verbessern
„Digitale Verwaltungsleistungen sind trotz aller Bemühungen häufig noch nicht so intuitiv bedienbar wie Dienste, die wir in anderen Lebensbereichen nutzen. Wir haben uns daher wichtige Fragen gestellt: Wie entwickeln und betreiben wir qualitativ hochwertige digitale Services? Wie gestalten wir IT-Ausschreibungen diesbezüglich effizient? Und welche Qualitätsstandards müssen eingehalten werden? Mit der DIN SPEC haben wir diese Fragen in den Blick genommen und einen Anforderungskatalog erstellt, der die Verwaltung dabei unterstützt, bessere digitale Angebote zu schaffen.“
Die 13 Qualitätskriterien des Servicestandards im Produktzyklus
Konstant gute Praxis mit klarem Qualitätsanspruch
Die 13 Servicestandard-Qualitätsanforderungen werden inhaltlich niemanden überraschen, der sich aktiv mit Verwaltungsdigitalisierung und digitaler Transformation des öffentlichen Sektors beschäftigt. Ihre zentralen Anliegen sind Nutzerzentrierung, Barrierefreiheit, Nachhaltigkeit und Interoperabilität. Diese sind etablierter Konsens – sowohl für Entscheidungstragende der öffentlichen Verwaltungen als auch für unsere Expertinnen und Experten bei IBM iX. Was also ist neu?
Mit Veröffentlichung der DIN SPEC 66336 hat das Servicestandard-Konsortium auf Bundesebene eine formale Referenz für die OZG-Umsetzung geschaffen – oder, technischer gesprochen: eine Adresse. Damit wird es trotz föderaler Strukturen und dezentraler Entwicklungsprozesse möglich, einheitliche Ziele inkrementell anzustreben. Der Clou daran: Die DIN SPEC 66336 kann gleichzeitig dazu genutzt werden, die Einhaltung der Qualitätskriterien rechtlich verbindlich zu machen, beispielsweise in öffentlichen Ausschreibungen und Dienstleistungsverträgen.
Wir bei IBM iX freuen uns über die DIN SPEC 66336! Denn Nutzerzentrierung, Barrierefreiheit und offene Standards sind für uns nicht bloß OZG-Vorgaben, sondern schon immer Teil unseres eigenen Qualitätsanspruchs als exzellenter Digitalisierungspartner für den öffentlichen Sektor.
Die DIN SPEC 66336 kommt genau im richtigen Moment – warum wir gerade jetzt gemeinsame Standards brauchen
Die Gründung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung 2025 markiert einen Aufbruch: Der politische Wille zur digitalen Transformation ist parteiübergreifend und auch in den Verwaltungen ist Digitalisierung längst Chefsache. Alle stehen in den Startlöchern – Aufbruchsstimmung liegt in der Luft. Der Veröffentlichungszeitpunkt der DIN SPEC 66336 ist daher kein Zufall, sondern gehört zur OZG-Programmlinie.
Die 13 Qualitätsprinzipien für Umsetzung und Betrieb kommen genau zum richtigen Zeitpunkt: denn jetzt kommt es auf inter-institutionelle und ressortübergreifende Kollaboration der beteiligten Akteure an. Der Servicestandard schafft mit der DIN SPEC 66336 Orientierung in diesem komplexen Prozess und ermöglicht es, lokale Entscheidungen auf globale Ziele auszurichten. Nur so können die Potenziale der digitalen Transformation Schritt für Schritt realisiert werden – und öffentliche Verwaltungsleistungen gleichzeitig quantitativ und qualitativ erweitert werden.
Gut zu wissen: Der IT-Planungsrat der OZG-Standardverordnung hat die DIN SPEC 66336 in seinem Beschluss vom 30.06.2025 faktisch zum verbindlichen Niveau für Bund-Länder-Vorhaben gemacht. Wer die DIN SPEC 66336 erfüllt, erfüllt die „allgemein anerkannten Regeln der Technik“ im Sinne der Verordnung, wie im Bundesgesetzblatt 2025/221 unter Paragraf 2 nachzulesen ist.
Schritt für Schritt: Normorientiertes und wirksames Vorgehen
Wir wissen, dass Digitalisierung für öffentliche Institutionen und Behörden nicht einfach als technisches Upgrade umzusetzen ist. Die Herausforderungen, vor denen Entscheiderinnen und Entscheider regelmäßig stehen, sind vor allem organisatorischer und formaler Natur. Häufig stellen sich in Digitalisierungsprojekten Fragen wie diese:
- Wie kann ich im Rahmen der aktuellen Programmlaufzeit einen realistischen Scope für mein Projekt bestimmen?
- Wie kann ich im Projekt die Gratwanderung zwischen Rechtskonformität und digitalen Effizienzpotenzialen meistern?
- Welches Umsetzungsziel muss ich für den strategischen Erfolg meiner Behörde priorisieren?
- Wie lassen sich Zielkonflikte zwischen Ländern, Behörden oder Ressorts kollaborativ bearbeiten?
Durch die Orientierung an der DIN SPEC 66336 entsteht ein strategisches Koordinatensystem für den Servicestandard, das die Umsetzung von Programmzielen auf Projektebene erleichtert. Als erfahrener Digitalisierungspartner entwickeln wir mit unseren Kunden darauf basierend optimale Vorgehensmodelle, die ihre spezifischen Herausforderungen in greifbare Umsetzungsschritte herunterbrechen.
Autor: Urs Bellermann
Bereit zur Umsetzung des Servicestandards? Wir begleiten Sie mit erprobten Methoden zum Ziel
Die IBM Garage bietet unseren Kundinnen und Kunden einen innovativen Raum, um gemeinsam digitale Projekte anzugehen. Mithilfe agiler Methoden und Design Thinking entstehen Lösungen, die die Bedürfnisse der Nutzenden in den Mittelpunkt stellen.
Mittels Low-Code- und No-Code können Behörden schnell und einfach Anwendungen erstellen ohne umfangreiche Programmierkenntnisse zu haben. Wir unterstützen unsere Kundinnen und Kunden bei der Gestaltung von Online-Formularen, Bürgerportalen oder anderen digitalen Dienstleistungen, die barrierefrei und für alle zugänglich sind.
Prozessdesign ist ein wichtiger Schlüssel für eine erfolgreiche digitale Transformation. In der Prozess-Garage unterstützen wir unsere Kundinnen und Kunden bei der Analyse, Optimierung und Implementierung ihrer Arbeitsprozesse. Bei der Umsetzung des Servicestandards können wir gezielt helfen, beispielsweise indem wir gemeinsam einen Redaktionsprozess gestalten, der Barrierefreiheit sicherstellt.
Mit dem Grundsatz der Human Friendly Automation identifizieren wir gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden Prozesse, die automatisiert werden können, um Ressourcen freizusetzen. Das Ziel: Mitarbeitende von Routineaufgaben befreien, damit sie sich auf wichtige Aufgaben konzentrieren können, die entscheidend für die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger sind.
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